Tanna

Mo 29.05.2017, 18:00 Uhr

Vanuatu/Australien 2016, Regie: Martin Butler und Bentley Dean, 104 Min., OmU (Nauvhal), mit Mungau Dain, Marie Wawa u.a.
Auf der fernen Insel Tanna im Südpazifik, zwischen Regenwäldern und Vulkanen, wartet die junge Wawa des Yakel-Stammes auf die Zeremonie, nach der sie innerhalb ihres Stammes offiziell als Frau angesehen wird. Bevor das geschieht, verliebt sie sich bereits in den Enkel des Stammesältesten und auch er erwidert ihre Liebe. Doch ohne ihre Kenntnis wird Wawa in der Zwischenzeit einem anderen Mann versprochen. Ihre Vermählung ist von besonderer Bedeutung, weil sie den Frieden zwischen den Völkern wahren soll. Wawa trifft daraufhin eine Entscheidung, die ihr Leben und das ihres Stammes für immer verändern wird.
TANNA gehört zu den schönsten Kino-Überraschungen des Jahres. Die Filmemacher Bentley Dean und Martin Butler haben sieben Monate auf der entlegenen Insel Tanna im Südpazifik gelebt und sich von den Einheimischen zu einer großen Liebesgeschichte nach wahren Begebenheiten inspirieren lassen.


Filmkritik PROGRAMMKINO.DE:

Monatelang lebten Martin Butler und Bentley Dean in einem kleinen Dorf auf einer der über 80 Inseln, die zusammen den winzigen Staat Vanuatu bilden. Hier beobachteten sie traditionelle Riten und hörten Geschichten von den Bewohnern der meist autark lebenden Stämme, deren Leben sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert zu haben scheint. Hier hörten sie auch von einer Geschichte, die sich Mitte der 80er Jahre zugetragen haben soll und die Grundlage für ihren Film wurde.

Sie erzählt von zwei benachbarten, aber verfeindeten Stämmen, den Yakel und den Imedins, die ihren jeweiligen Traditionen folgen, sich christlicher Missionierung erfolgreich widersetzt haben und stattdessen im Einklang mit der Natur zu leben versuchen. Wissen um die Traditionen wird von Generation zu Generation weitergegeben, wobei besonders ein nahe gelegener Vulkan, in dessen Krater Lava brodelt von größter Bedeutung ist. Wenn der Vulkan Feuer speit ist es fast so, als würde Mutter Natur sich zu Wort melden und die Menschen auf ihren Platz verweisen.

In dieser mal malerischen, mal archaischen Welt wächst die junge, neugierige Selin (Marceline Rofit) auf, die verbotenerweise oft allein durch die Natur streift. Bei einer dieser Erkundigungen beobachtet sie ihre ältere Schwester Wawa (Marie Wawa), die mit Dain (Mungau Dain), dem Sohn des Häuptlings flirtet. Doch da Wawa dem Häuptling der Imedins als Zeichen des Friedens versprochen ist, ist ihre Liebe verboten.

Den Liebenden bleibt nur die Möglichkeit zu fliehen und in einem abgelegenen Teil der Insel ein neues Leben zu beginnen. Doch so einen Ort zu finden ist schwierig, die Möglichkeit bei christlichen Missionaren Zuflucht zu finden, widerstrebt ihnen und so ziehen sie ziellos durch den Dschungel, während sowohl die Yakels als auch die Imedins sie suchen.

Etwas mechanisch entwickelt sich dieser Plot, getragen von einer oft unnötig bombastischen Musik, die mehr an westliche Gepflogenheiten erinnert, als dem Empfinden der Inselbewohner zu entsprechen scheint. Wie sehr diese Geschichte durch einen Blick von außen geprägt ist, durch den Wunsch der Regisseure, nicht eine Dokumentation zu drehen, sondern einen Spielfilm inklusive der gängigen Erzählmuster, ist nicht zu sagen.

Als dramatische Erzählung ist „Tanna – Eine verbotene Liebe“ dann auch nur bedingt überzeugend, wohl aber als Einblick in eine fremde Kultur. In quasi dokumentarischen Aufnahmen zeigen Butler und Dean die Rituale der Stämme, von Fruchtbarkeitsriten über Konfliktbewältigungen bis zum Versuch, die Götter zu besänftigen. Faszinierende Aufnahmen sind das, deren ethnologischer Wert weit über das dramaturgisch oft etwas aufgesetzt wirkende der Geschichte hinausgeht. Allein für diese Einblicke in eine fremde Welt am anderen Ende der Erde, eingefangen in oft spektakulären Bildern, lohnt sich der Besuch.

Michael Meyns