Gimme Danger (OmU)

Mi 28.06.2017, 20:15 Uhr
Eintritt: 6€ / 4,50€

USA 2016, Regie: Jim Jarmusch, 108 Min, OmU (Englisch), mit James Osterberg alias Iggy Pop, Ron Asheton, Scott Asheton u.a.
Mitten in den 60er Jahren schlugen The Stooges mit ihrem gewaltigen und energischen Stil wie eine Bombe in die Musiklandschaft ein. Mit ihrem Mix aus Rock, Blues, R&B und Free Jazz hat die Band aus Ann Arbor, Michigan, das Musikpublikum quasi überfallen und damit den Grundstein für das gelegt, was später gemeinhin als Punk und Alternative Rock bekannt wurde. Jim Jarmuschs GIMME DANGER ist die Chronik der Geschichte von The Stooges – eine der größten Geschichten des Rock’n’Roll. Die Dokumentation wirft einen einzigartigen Blick auf die Erfolge und Misserfolge der Band und erzählt von Inspiration, dem harten Weg zu kommerziellem Erfolg und dem musikalischen Vermächtnis einer Band, die nicht nur musikalisch eine der wichtigsten ihrer Zeit war. Dabei spart Jarmusch Iggy Pops erfolgreiche Solokarriere aus und konzentriert sich voll und ganz auf die Zeit mit den Stooges.

Kritik PROGRAMMKINO.DE:

Konzerte der Stooges müssen Ende der 1960er Jahre auf die damaligen Besucher wie reine Pöbel- und Krawall-Shows gewirkt haben. Die lärmende Mixtur aus brachialen Rock- und Bluessongs, gepaart mit Iggy Pops provokanten und ungewöhnlich extrovertierten Bühnen-Shows sorgten für gespaltene Resonanz bei den konsternierten Konzertgästen. Das Quartett aus Ann Arbour in der Nähe von Detroit bestand in der Anfangsformation aus Drummer Scott Ashton, seinem Bruder Ron an der Gitarre, Dave Alexander als Bassist und Iggy Pop als Sänger.

Nicht selten endeten die Shows damit, dass die Musiker von einem Hagel an Wurfmaterial fliehen mussten. Heute kann Iggy Pop Anekdoten über die wilden und wechselhaften ersten Jahre der Stooges mit einem schelmischen Grinsen in die Kamera von Jim Jarmusch erzählen. Die Band hatte es damals zwar nie zu nennenswerten Plattenverkäufen gebracht und musste sich bereits Anfang der 1970er Jahre aufgrund von Drogenexzessen und finanziellen Schwierigkeiten zum ersten Mal trennen, aber die Stooges sind längst ein Stück Musikgeschichte geworden.

Iggy Pop selber feiert am 21. April 2017 seinen siebzigsten Geburtstag und erfreut sich, als einer der Überlebenden der Rockmusik, einer stetig wachsenden Medienpräsenz. Entsprechend entspannt kann er über die damaligen Misserfolge berichten, denn die Stooges durchlebten das Schicksal der meisten Pioniere. Als Urväter des Punks, später oft kopiert und kultisch verehrt, bereiteten sie auf steinigem Grund den Weg vor, den Bands wie die Sex Pistols oder Ramones, aber auch Sonic Youth oder Nirvana später mit größerem, kommerziellen Erfolg beschritten.

Iggy Pops umfangsreiches Interview zur Geschichte der Band steht im Fokus des Films. Dazwischen streut Jim Jarmusch selten gezeigtes Archivmaterial von Auftritten der Band und illustriert die Erinnerungen des Musikers teilweise mit Animationssequenzen, noch öfters aber mit ironisch kommentierten Filmzitaten aus alten Kino-Streifen oder aus TV-Sendungen. So entsteht ein dichtes Zeitkolorit dieser Jahre und man kann die ungewöhnliche Wirkung der Band erahnen.

Während in Kalifornien die Hippies im Flower-Power schwelgten, hämmerten die Musiker aus der Industrieregion von Michigan mit nihilistischem Nonkonformismus ihren harten Sound ins Publikum. Wilder und wütender konnte ein Gegenentwurf zu Love, Peace and Happiness kaum ausfallen.

Zu dem umfangreichen Interview mit einem ungemein charmant und reflektiert daherkommenden Iggy Pop, gibt es noch weitere Film-Aufnahmen mit Gesprächen der übrigen Stooges-Mitglieder, die bis auf James Williamson im Laufe der Jahre verstorben sind. So konzentriert „Gimme Danger“ die ersten Jahre beleuchtet, verliert Jim Jarmusch bei der weiteren Bandgeschichte, die von verschiedenen Reunion-Versuchen geprägt war, mitunter den Faden. Das schmälert aber nicht den Unterhaltungswert, der sich nicht zuletzt durch die Präsenz eines großartig aufgelegten Iggy Pop beim Schauen einstellt.

Norbert Raffelsiefen