Gegen den Strom – Ulrike Herrmann – Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen

Di 04.02.2020, 19:00 - 21:15 Uhr
Eintritt: frei

Deutschland ist reich, aber die gängigen Erklärungen sind falsch. So soll Ludwig Erhard der „Vater“ des Wirtschaftswunders gewesen sein – in Wahrheit war er ein unfähiger Ökonom. Die Bundesbank war angeblich die „Hüterin der D-Mark“ – tatsächlich hat sie Millionen in die Arbeitslosigkeit geschickt. Auch die permanenten Exportüberschüsse haben Deutschland nicht voran gebracht, sondern geschadet. Eigentlich müsste man sagen, was wir haben, sind gar keine Exportüberschüsse sondern ein Importdefizit. Wenn man sich nämlich anguckt, warum es diese Überschüsse gibt, dann sieht man, dass es vor allen Dingen daran liegt, dass die Löhne in Deutschland so niedrig sind. Dass wir zu wenig von unseren Nachbarn kaufen.

Soziale Marktwirtschaft“ klingt nach sozialem Ausgleich, doch begünstigt werden die Reichen.

Mit unseren niedrigen Löhnen und günstigen Waren setzen wir die anderen Europäer unter Druck. Gleichzeitig importieren wir kaum Produkte. Im Gegenteil: wir leihen ihnen Geld, um unsere Waren zu kaufen – wodurch die nicht zurückzahlbaren Schuldenberge immer höher werden.

Dies ist ökonomischer Wahnsinn und eine Gefahr für die Demokratie. Denn die verspricht uns immer noch die Gleichheit aller Menschen. Aber die Wirtschaft funktioniert im Augenblick so, dass es extrem ungleich ist und nur die obersten zehn Prozent überhaupt profitieren. Man kann aber nicht politische Gleichheit versprechen und dann eine wachsende ökonomische Ungleichheit zulassen. Weil dann immer mehr Leute das Gefühl haben, dass sie abgehängt sind. Und dann setzt eben diese Politikverdrossenheit und Staatsverachtung ein. Und das kann man dann durch extreme Parteien politisch ausnutzen.

 

Vortrag und Diskussion mit Ulrike Herrmann /  Wirtschaftskorrespondentin bei der „tageszeitung“