2020 – das war´s!

„Die Utopie sie steht am Horizont. Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu und sie entfernt sich um zwei Schritte. Ich mache weitere 10 Schritte und sie entfernt sich um 10 Schritte. Wofür ist sie also da, die Utopie? Dafür ist sie da: um zu gehen!“ Eduardo Galeano

Das war`s, ein Jahr ist am Ende. Welches Jahr? Na dieses 2020, welches seit Mitte März im slow motion-Modus abgetaucht ist, im Sommer nochmal ein paar Wochen auftauchte und von dem wir jetzt hoffen, dass es endlich vorbei ist. Kulturell hat dieses Jahr eigentlich kaum stattgefundenDabei hatte es ganz gut angefangen. Gut besuchte Veranstaltungen – Konzerte, Lesungen, Vorträge – ein tolles Kinoprogramm. Unsere zweite Etage wurde nach 30 Jahren renoviert. Und als all das vollbracht war, fiel die Klappe und es wurde still. Sehr still! Für die Pelmke begann die größte Herausforderung in ihrer 33-jährigen Geschichte. Ein Kultur- und Begegnungszentrum ohne Kultur und Begegnung.Was tun?! Alle Termine für das Frühjahr absagen und in den Herbst verschieben. Neue Termine machen – in der Hoffnung, dass es dann weiter geht. Aber es kam auch die Welle der Solidarität – viele Ideen und Fragen, wie können wir euch unterstützen? Und das, was viele wir bisher nur vom Sofa kannten, wurde Pelmke-Realität. Streaming war das Zauberwort. Discos, Konzerte, Spiele, Lesungen, Slams, Kino on Demand, Quiz und Alltags-Talk beim Tresenlesen. Die Pelmke blieb sichtbar. Alles ermöglicht durch den unglaublichen künstlerischen, kreativen und technischen Support vieler Menschen aus der Hagener Szene.Ende Mai dann der Wiederbelebungsversuch. Alles mit den notwendigen Maßnahmen: Spuckschutz, Deinfektionszapfanlagen, Einlasskontrollen und Abstand. Biergarten, Kino unterm Sternenhimmel, Open-Air-Slam und ab September auch ein paar Indoor-Angebote. Nicht selten mit dem von Künstler*innen und Veranstalter*innen erträumten Attribut „AUSVERKAUFT“. Na ja, 20 statt 70 und 40 statt 120 Besucher*innen. Aber immerhin. Live und in Farbe, aber auch im Stream.Ach ja – und die Termine vom Herbst auf das Frühjahr verschieben. Auch uns überkam ein Gefühl von Einsamkeit.Gut angefühlt hat sich das alles nicht wirklich. Unser eigentliches Ziel ist es ja, Menschen zusammen zu bringen, gemeinsam zu reden, feiern, streiten, verändern und auch Spaß zu haben. Streaming und zoomen ist da nur ein semibefriedigender Ersatz, auch wenn das in Zukunft Teil unseres Alltags sein wird. Anfang Oktober kam aber schon die Ahnung auf – das war es noch nicht. Jetzt sitzen wir wieder seit zwei Monaten im Lockdown. Ende offen. Es wird renoviert, technisch etwas aufgerüstet – dank NEUSTART KULTUR – und überlegt, wie es mit unserem Programm weitergehen kann. Ach ja – und ein Teil der Frühjahrstermine wird jetzt auf den Herbst verschoben. Apropos Programm. Wir werden dank großartiger Unterstützung (siehe unten) erstmal überleben und Treffpunkt, Bühne und Leinwand in der Pelmke wird es weiterhin geben. Viel ungewisser ist aber die Zukunft der zahlreichen Künstler*innen und Techniker*innen und von vielen anderen aus der Branche, die ja unser Programm erst möglich machen. Schon vor der Pandemie oft am Existenzminimum, haben sie jetzt seit fast einem Jahr keine oder nur sehr bescheidene Einkünfte durch ihre Arbeit. Staatliche Förderprogramme für diese oft Soloselbständigen sind nur sehr schleppend oder nicht bedürfnisorientiert auf den Weg gebracht worden. Aber es gibt da inzwischen einige Lichtblicke (z.B. Künstler*innenstipendienprogramm) und das ist gut so. Aber trotzdem, viele wissen nicht, wie und ob sie weitermachen können. Was da wegbrechen wird, werden erst die nächsten Monate zeigen. Wir werden unterstützen, soweit wir es können!Kommt dann demnächst die Rückkehr zu alter Normalität? Auch. Denn vieles entwickelt sich gerade neu. So wird sich mit Sicherheit auch eine neue Normalität entwickeln. Für diesen neuen Alltags freuen wir uns auch auf Eure Ideen.Wir werden also wiederkommen! Ihr hoffentlich auch. Wir freuen uns auf Euch!Bleibt gesund.An dieser Stelle auch noch ein paar andere Gedanken:Die Pandemie hat unser aller Leben mehr oder weniger stark verändert. Manche sind erkrankt, andere haben Angehörige verloren. Das ist sehr traurig. Aber für viele ist die Klage über die notwendigen Einschränkungen auch Jammern auf hohem Niveau. Die Einschränkungen sind ein Akt der Rücksichtnahme und Solidarität gegenüber unseren Mitmenschen. Corona hat viele Themen in den Hintergrund gedrängt. Seien es der dramatisch fortschreitende Klimawandel mit seinen sozialen und ökonomischen Auswirkungen weltweit, die unerträglichen Zustände in den Lagen auf Lesbos, in Bihac und anderswo oder seien es rechtsextrem motivierten Morde von Hanau, Halle, Kassel…. Die Aufzählung von wichtigen Themen könnte leider noch endlos fortgesetzt werden. Corona hat gezeigt, dass Krisen die wirtschaftlich Schwachen am härtesten treffen und auch wie anfällig unsere Gesellschaft ist. Aber es hat sich auch gezeigt, dass vieles anders werden kann, wenn der politische Wille vorhanden ist. Es gibt also noch viel zu tun.DANKE!Dass es die Pelmke noch gibt und wir halbwegs optimistisch in die Zukunft blicken können, hat auch viel mit Euch zu tun. Wir waren überwältigt von der großen Unterstützung und Solidarität, die wir erfahren haben. Sei es die moralische in Wort und Tat, sei es die monetäre mit sehr vielen kleinen und einigen großen Spenden. Auch aus dem Kulturetat der Stadt Hagen haben wir einen Corona-Zuschuss erhalten. Und letztlich hat auch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW mit einem Sonderprogramm dazu beigetragen, dass wir und viele andere soziokulturelle Zentren bisher überleben konnten.Besonderes Lob auch an unseren Landes- und Bundesverband, die seit Jahren gebaggert haben und die „Kultur von unten“ inzwischen auch in Ministerien ein Standing hat.

Soziokultur NRW

Bundesverband Soziokultur e.V.

https://www.mkw.nrw/https://m.facebook.com/sharer/sharer.php…

Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen

Europa Cinemas

Hagen – meine Stadt

Deutscher Kulturrat