Kirchen und Kino. Der Filmtipp 2011-2012

Initiiert vor neun Jahren von der Katholischen Akademie Schwerte ist die Filmreihe "Kirchen & Kino. Der Filmtipp" der gelungene Versuch, in dem ganzen Erzbistum Paderborn örtliche Kinos und kirchliche Bildungseinrichtungen kooperieren zu lassen. Auch wenn der Titel der Reihe etwas irreführend ist, besteht das gemeinsam entworfene Programm nicht aus Kirchenfilmen, sondern aus neuen, internationalen Filmen, die aufgrund ihrer künstlerisch und humanistisch herausragenden Qualitäten von den zwei wichtigsten deutschen Filmzeitschriften - Link oeffnet in neuem Fensterepd Film (evangelisch) und Link oeffnet in neuem Fensterfilmdienst (katholisch) - empfohlen wurden! Einige Filme sind schon in unserem regulären Programm gelaufen, andere sind für Kinoschaffende und Kinogäste eine Entdeckung. Der Kinobesuch lohnt sich auf alle Fälle!

Das Kino Babylon, das Link oeffnet in neuem FensterDekanatsbildungswerk Hagen e.V. und die Link oeffnet in neuem FensterEvangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Hagen freuen sich, hier in Kürze Ihnen die Reihe 2008-09 zu präsentieren. Der "Filmtipp" läuft regelmäßig ein Mal im Monat, am dritten Sonntag Spätnachmittag um 18 Uhr, in der Regel in der deutschen Fassung. Vorbestellungen sind empfohlen!

 

Terminübersicht:

So 16.10.2011   Precious - Das Leben ist kostbar 

So 20.11.2011   The Messenger

So 18.12.2011    Another Year

So 22.01.2012    Good Food Bad Food

So 12.02.2012    Renn, wenn du kannst

So 18.03.2012    Von Menschen und Göttern   

 So 15.04.2012    In einer besseren Welt  

So 20.05.2012    Bal - Honig 

 

Es werden gezeigt:

 

precious-das leben ist kostbarSo 16.10. um 18.00
Precious – Das Leben ist kostbar(PRECIOUS – BASED ON THE NOVEL PUSH BY SAPPHIRE) USA 2009 Regie: Lee Daniels. Mit Gabourey Sidibe, Mo'Nique, Aunt Dot, Paula Patton, Mariah Carey. 110 Min. FSK ab 12.
Das Leben der extrem übergewichtigen Precious: Inzest, Missbrauch, Sozialhilfe, Sonderschule, HIV-positiv. Trotz der erdrückenden Drastik meidet der Film alle Klischees, indem er Precious auf ihren beschwerlichen Wegen solidarisch mit der Kamera begleitet, sie häufig aus dem Off sprechen lässt. Es dauert lange, bis in das abgründige Porträt ein Hoffnungsfunke dringt. Precious’ Emanzipationsgeschichte folgt dabei nicht der Aschenputtel-Story, sondern beruht auf winzigen Schritten, die auf Dauer selbst aus einer Hölle führen können.
Film des Monats/D April 2010. Kinotipp der katholischen Filmkritik 197/März 2010.


the messengerSo 20.11 um 18.00
 The Messenger

USA 2009. Regie: Oren Moverman. Mit Ben Forster, Woody Harrelson, Samantha Morton, Jena Malone, Steve Buscemi. 112 Min. FSK ab 12.
Ein Soldat muss die letzten Monate seiner Dienstzeit während des Irak-Kriegs an der "Heimatfront" ableisten und einen Vorgesetzten bei der Überbringung von Todesnachrichten an Hinterbliebene begleiten. Eine schmerzhaft intensive Auseinandersetzung mit den Kollateralschäden des Krieges sowie das überzeugende Psychogramm zweier Soldaten, die auch jenseits des Krisengebiets nicht zur friedlichen Normalität zurückfinden. Der hervorragend gespielte Film entwirft eindringlich das Bild einer Identitätskrise, in die der "Krieg gegen den Terror" die USA gestürzt hat.

Film des Monats/D Juni 2010. Kinotipp der katholischen Filmkritik 199/Mai 2010.



another yearSo 18.12
Another Year
USA 2010 Regie: Mike Leigh. Mit Jim Broadbent, Ruth Sheen, Oliver Maltman, David Bradley, Martin Savage. 129 Min. FSK o.A.
In großartiger Verdichtung eines Jahresablaufs stellt der Film jenseits einer Idylle das Lebensgefühl eines älteren Paares in den Mittelpunkt. Ihr vertrauter Umgang, die Alltäglichkeiten und die Zuwendung zur Familie, zu Freunden bilden die Basis einer undramatischen Menschlichkeit, die verlässlich und unverzichtbar ist angesichts der Verletzbarkeit des Lebens. Im Kontrast zu den Normen von Funktionalität, Leistung und Erfolg lenkt der Regisseur den Blick auf die Bedeutung von Freundschaft und Familie in einer individualisierten und alternden Gesellschaft.

Film des Monats/CH Januar 2011, D Februar 2011. Kinotipp der katholischen Filmkritik 209/Januar 2011.


good food bad foodSo 22.01. um 18.00
Good Food Bad Food
(SOLUTIONS LOCALES POUR UN DÉSORDRE GLOBAL) F 2010. Regie: Coline Serreau. 113 Min. FSK o. A.
Die Äußerungen der in dieser filmischen Dokumentation Befragten ergeben einen überraschenden Gleichklang: die industriell-chemische Landwirtschaft führt einen Krieg gegen die Erde mit ihrer Artenvielfalt und ihrer Fruchtbarkeit. Monokulturen, verwüstete Böden und Landflucht von Millionen Bauern sind die Folgen. Die versprochene „grüne Revolution“ in den Entwicklungsländern, die den Hunger besiegen sollte, ist gescheitert.
Zukunftsfähige Landwirtschaft wird ein neues Gleichgewicht zwischen ökonomischen und ökologischen Anforderungen herstellen müssen.

Film des Monats/D Januar 2011.



renn, wenn du kannstSo 12.02. um 18.00
Renn, wenn du kannst

D 2010 Regie: Dietrich Brüggemann. Mit Robert Gwisdek, Anna Brüggemann, Jacob Matschenz, Franziska Weisz, Leslie Malton. 116 Min. FSK ab 12.
Zwei ungleiche junge Männer, ein sorglos-resoluter Zivildienstleistender und ein misanthropischer Rollstuhlfahrer, der seine Verzweiflung hinter einer Mauer aus Sarkasmus verbirgt, begegnen einer jungen, ihrerseits von Lebensängsten geplagten Cello-Studentin. Vorzüglich gespielte, beschwingt inszenierte tragikomische Dreiecksgeschichte, die geschickt und ausgesprochen unterhaltsam eine Kaskade an Einfällen, Wendungen und treffsicheren Dialogen in Gang setzt und ganz nebenbei einfühlsam und ohne Larmoyanz Tabus, Freundschaft und Liebe verhandelt.

Kinotipp der katholischen Filmkritik 202/Juli 2010.



von menschen und götternSo 18.03. um 18.00
Von Menschen und Göttern 
(DES HOMMES ET DES DIEUX) F 2010 Regie Xavier Beauvois. Mit Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach, Jacques Herlin. 123 Min. FSK ab 12.
Der Wechsel zwischen liturgischem Gesang und praktischer Hilfe für die Bevölkerung formt den Lebensrhythmus der Trappisten, dem der Film folgt. Gottvertrauen und Caritas der Mönche werden durch den Terror des algerischen Bürgerkrieges in den 1990er Jahren auf eine harte Probe gestellt. Im dramatischen Prozess ihrer existentiellen Selbstprüfung, ob Zeugnis geben die Hingabe des Lebens mit einschließen darf, entscheiden sich die Mönche fürs Bleiben. Ein überzeugendes Drama fußend auf dem Schicksal der Mönche von Tibhirine.

Film des Monats/CH + D Dezember 2010. Kinotipp der katholischen Filmkritik 207/Dezember 2010.


in einer besseren weltSo 15.04. um 18.00
In einer besseren Welt
(HÆVNEN/ HÄMNDEN) DK/S 2010 Regie: Susanne Bier. Mit Mikael Persbrandt, Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Markus Rygaard, William Jøhnk Nielsen. 113 Min. FSK ab 12.
Schafft Rache Recht? Dieser Frage geht der Film auf subtile, spannende und höchst dramatische Weise nach, indem er das psychische Drama zweier dänischer Kinder in erschütterten familiären Verhältnissen mit dem politischen Drama von Gewaltopfern in einem afrikanischen Land verzahnt. Der Konflikt zwischen dem Ideal von Gerechtigkeit und Vergeben und der Erfahrung von Ungerechtigkeit und Vergeltung schlägt sich in widersprüchlichen Gefühlen nieder. Der Film bietet keine einfachen Lösungen, regt an, sich an der Suche nach Antworten auf die Fragen nach Recht und Rache zu beteiligen.

Film des Monats/D März 2011 + CH April 2011.



bal-honigSo 20.05. um 18.00
Bal – Honig
(BAL) Türkei/D 2009 Regie Semih Kaplanoglu. Mit Boras Altas, Erdal Besikçioglu, Tülin Özen, Ayse Altay , Alev Uçarer . 103 Min. FSK ab 6.
Der Film erzählt vom Heranwachsen und der inneren Entwicklung eines Jungen, wobei die Trauer um den Vater zum Schlüsselerlebnis und die Natur als ebenso gefahrvoll wie bergend erfahren wird. Yusufs Geschichte erzählt nicht zuletzt von der zwiespältigen Verbindung des Menschen mit der Natur als materielle, aber auch als spirituelle Lebensgrundlage. Zudem erkundet der Film sensibel den Mikrokosmos der familiären und sozialen Beziehungen und die Formung des Individuums aus der Spannung von Geborgenheit und Fremdsein, von Abgrenzung und Zugehörigkeit.
Film des Monats/CH November 2010. Kinotipp der katholischen Filmkritik 204/September 2010.




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