Paula – Mein Leben soll ein Fest sein (im Emil Schumacher Museum!)

Mo 13.11.2017, 19:00 Uhr
Eintritt: 6,50€ / 5€

Deutschland/Frankreich 2016, Regie: Christian Schwochow, 123 Min., mit Carla Juri, Albrecht Abraham Schuch, Roxane Duran, Joel Basman u.a., FSK 12
Worpswede, 1900. Schon bei ihrer ersten Begegnung spüren Paula Becker und Otto Modersohn eine besondere Verbindung. Aus ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die Malerei wird die große Liebe. Als sie heiraten, führen sie eine Ehe fernab von gängigen Mustern ihrer Zeit. Gegen alle Widerstände lebt sie ihre Vision von künstlerischer Selbstverwirklichung und ihre romantische Vorstellung von Ehe und Liebe.Mit PAULA erzählt Regisseur Christian Schwochow das faszinierende Leben einer hochbegabten Künstlerin und radikal modernen Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Achtung: wir zeigen den Film im Auditorium des Emil Schumacher Museums, Museumsplatz 1 in Hagen!

Filmkritik Programmkino.de:
Dass Paula (Carla Juri) sich für die Malerei begeistert, ist in den Augen ihrer Familie und der Öffentlichkeit schon schlimm genug. Doch dass dieses leidenschaftliche, ungebärdige Mädchen
tatsächlich als Künstlerin arbeiten will und absolut keine Lust hat, sich den herrschenden Konventionen anzupassen, ist ein zusätzlicher Schock für ihre Umgebung. Eigentlich geht Paula Becker nach Worpswede, um bei Fritz Mackensen einen Ferienmalkurs zu machen – so ein bisschen fröhliches Rumgepinsel in freier Natur, extra für höhere Töchter vom Künstlerkreis eingerichtet, als zusätzliche Einnahmequelle für die Maler und vielleicht auch, um ein bisschen mit den jungen Damen zu flirten. Aber Paula will mehr – viel mehr, als unter Aufsicht des angesehenen Malers brav nach der Natur zu malen. Sie schließt Freundschaft mit Clara Westhoff, der es ähnlich geht wie ihr: Beide träumen von künstlerischer Freiheit. Doch der Weg dorthin ist vollgestopft mit Hindernissen. Als Paula den Maler Otto Modersohn heiratet, scheint es, als hätte sie nicht nur ihre große Liebe, sondern auch einen verständnisvollen Unterstützer gefunden. Auch mit Elsbeth, Ottos Tochter aus der ersten Ehe mit seiner verstorbenen Frau, versteht sie sich gut. Doch Otto kann sich nicht von den Konventionen seiner Zeit lösen. Erst als Paula allein nach Paris geht, findet sie zu ihrer Kunst und darüber letztlich auch den Weg zurück zu ihrem Mann. Sie stirbt kurz nach der Geburt ihres einzigen Kindes.

Wenn etwas ungewöhnlich ist an diesem Film über eine ganz und gar ungewöhnliche Frau, dann ist es Carla Juri und ihre intensive Spielweise: Sie vibriert förmlich vor Lebensfreude und Lebenslust; ihre spontanen Gesten und Blicke, die manchmal überraschend witzigen Kommentare, die sie mit liebenswerter, leicht rauer Mädchenstimme hinwirft, und ihre ganze entschlossene, aufrechte Haltung machen aus Paula eine intelligente, leidenschaftliche Frau auf der Suche nach Erfüllung, sowohl in der Kunst als auch im Privaten. Carla Juri tut, was sie kann, und sogar ein bisschen mehr, um das deutlich zu machen, doch das Drehbuch lässt ihr kaum eine Chance. Zum einen war das Leben der Künstlerin nach allen Quellen deutlich selbstbestimmter, als es hier dargestellt wird. Carla Juri wirkt zudem manchmal wie ein ungezogenes Kind, was irgendwie unzeitgemäß ist. Vielleicht ist das die Interpretation einer heutigen Zeiterscheinung, in der Kindlichkeit bei Erwachsenen gelegentlich nicht nur geduldet wird, sondern auch als eine Art Qualitätsmerkmal gilt, insbesondere bei Frauen. Zum anderen haben die Autoren offenbar versucht, einen möglichst jugendfreien, aber dennoch feministisch irgendwie korrekten Film speziell für den Leistungskurs Kunst der gymnasialen Oberstufe zu schreiben. So sind die Dialoge des Öfteren ein bisschen lehrerhaft bemüht.

Dabei war die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tatsächlich eine wilde Zeit, in der ordentlich die Post abging, auch bei den Frauen und vor allem in der Kunstszene, siehe Käthe Kollwitz, Alma Mahler und natürlich Paulas Freundin, Clara Westhoff. Da wäre es gar nicht nötig gewesen, Paulas Rolle als Ehefrau und Mutter so sehr in den Vordergrund zu stellen. Zusätzlich huscht hier und da auch noch bildungsbürgerliches Wissen über die Leinwand, so wenn die (nicht genannte) Camille Claudel auftaucht und sich die Kunstfans darüber freuen können, dass sie sie erkennen.

Trotz allem gelingt es dem Film, Neugier zu wecken, zumindest auf das wahre Leben der Paula Modersohn-Becker, die für ihre kurze Schaffensperiode ein ungeheuer umfangreiches Werk hinterlassen hat.

Gaby Sikorski