Redebeitrag des Kulturzentrum Pelmke beim Kulturaufstand am 25. Juni:
(Manuskript - nicht lektoriert ;-) )
Das aktuelle Sparpaket der Stadt im Kulturbereich umfasst eine Summe von 2,5 Mill. 800000 beim Theater und 1,7 Millionen bei der Freien Kultur,Museen, Büchereien , Musikschule und VHS und Kulturbüro
Die Freien sind es nun schon gewöhnt, dass man ihnenan die sowieso geringen Finanzen will.Erst in diesem Jahr müssen wir eine 10%ige Kürzung verkraften. Diese Salamitaktik wird uns jetzt schon seit 12 Jahren zugemutet.
Wie stark es uns in der nächsten Runde treffen soll,wird uns wohl auch mit Blick auf die Kommunalwahlen am 30.8. noch nichtverraten.
Sollten die Pläne aber nur ansatzweise verwirklichtwerden ist die Schmerzgrenze überschritten.
Es wird zwar immer wieder beteuert, dass die Kultur in Hagen wichtig und gut ist, aber dann kommt in der Regel das große „ja, aber Hagen geht es schlecht und Kultur ist doch eine freiwillige Leistung. Für nicht wenige in Politik und Verwaltung scheint die kulturelle und soziale Grundversorgung inder Stadt so eine Art Almosen zu sein. Man gibt halt was man über hat.
Falsch gedacht – kulturelle und soziale Grundversorgung sind ein Lebensmittel und notwendig für das Zusammenleben inder Stadt. Wer dieses Lebensmittel nicht hat bekommt Mangelerscheinungen und wird die Stadt verlassen.
es ist keine wirklich neue Erkenntnis das es gerade in Zeiten der Krise und des vermeintlichen Niedergangs einer Kommune unbedingt notwendig ist diekulturellen und sozialen Strukturen zu stärken.
Wer diese Strukturen zerschlägt gibt den Menschen und auch den Arbeitsplätzen endgültig das Signal zur Abwanderung. Es wird ein Kreislauf in Bewegung gesetzt der das Desaster noch beschleunigen wird.
Es ist ja auch nicht so, dass überhaupt kein Geld mehr vorhanden wäre in der Stadt. Es werden weiterhin Strassen großzügig ausgeleuchtet, die für Fußgänger und Radfahrer gesperrt sind. Und das sog. Jahrhundertprojekt der Bahnhofhinterfahrung wird mindestens 70 Millionen verschlingen. Ein völlig überdimensioniertes Strassenprojekt wird vorangetrieben, während der ÖPNV für viele unerträglich zusammengestrichen wird.
Das erinnert an zahlreiche Investitionen in Ostdeutschland . Steuergelder wurden in Projekte gesteckt, die heute leerstehenund pleite sind weil der Bedarf gar nicht vorhanden ist. Die Menschen sind inzwischen weg.
Die Kürzung beim ÖPNV trifft indirekt auch unsere Kultureinrichtungen – wir machen ein Programm und den Menschen wird immer häufiger die Möglichkeit genommen unsere Veranstaltungen überhaupt zu erreichen.
Kultur ist heute ein nicht mehr wegzudenkender Faktor für eine Stadt, ein sog. weicher Standortfaktor. Wenn eine Stadt so etwas nicht ausreichend zu bieten hat, gilt sie als öde und unwirtlich, Kulturzentren sind insofern ein wichtiger Bestandteil der infrastruktur einer Stadt, und in Hagen machen die freien Kulturzentren seit fast 20 Jahren das Leben reichhaltiger und attraktiver.
FreieKultur heißt
· Kultur abseits vom Mainstream
· Eigeninitiative und Beteiligung von vielen Menschen
· Kultur zu sozialen Preisen
· Experimente jeglicher Art
· Förderung von Kritik und Selbstbestimmung
· Nicht zuletzt die Verbindende Brücke zwischen Menschenunterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft
Als jemand, der jetzt schon über30 Jahre in dieser Stadt lebt, habe ich den Eindruck, dass in jedem Kreativ-Workshop in Schulen oder im Kulturbereich mehr neue Ideen entwickelt werden, als es Politik und Verwaltung bei der Bewältigung der Krise dieser Stadt bisher zustande bringen. Teile der Politik und Verwaltung funktionieren heute immer noch so, wie in den 60-er Jahren.
Immerwieder hören wir „ wir müssen sparen, wir können nicht anders“.
Malabgesehen davon, dass es bis heute keine Entschuldigung der Verantwortlichenfür die verzockten 50 Mill. Steuergelder gibt, erwarten wir , dass einfach auch mal quer gedacht wird. Nicht immer nur ind en gleichen alten Strukturen, bestimmt von angeblichen Sachzwängen. Wir erwarten, dass Menschen, Betroffene einbezogen werden in existenzielle Entscheidungen für diese Stadt.
Es kann nicht sein, dass eine kleine Expertenrunde ein 90-Millionen Sparpaket beschließt und dann vom Kämmerer gesagt wird, dieses Paket dürfe nichtverändert werden. Demokratie funktioniert anders Herr Gerbersmann.
Den Hinweis, dass dienotwendigen Lösungen der Finanzmisere nicht in Hagen gefunden werden können,stimmen wir zu. Viele Gesetze in Land und Bund haben zur Misere beigetragen.Aber wo bleibt der lautstarke Protest von Politik und Verwaltung RichtungDüsseldorf und Berlin. Warum stelltsich bisher niemand quer und sagt STOP.
Nicht wenige im Rat der Stadt finden unsere heutige Demonstration ärgerlich und lästig. Wir stören sie in ihrer Ruhe.
Nicht wir sind die Querulanten , wie es von manchen Politikern dargestellt wird . Wir lebenin dieser Stadt und haben ein Recht darauf beteiligt zu werden und es gibt die Pflicht uns zu beteiligen.
In der gesamten KulturszeneHagens und nicht nur dort befindet sichein vielfaches an Kreativität dessen was Teile von Politik und Verwaltungbisher zustande gebracht haben.
Allein wird die Stadt dasDesaster nicht verändern können.
richten wir den notwendigen gemeinsamen Protestlautstark an die Verantwortlichen in Düsseldorf und Berlin. Kultur, Soziales,Gewerkschaften und alle, die an einer lebendigen Stadt interesse haben.
Mit ein wenig Phantasiekönnen wir diesem Protest vielfältigen Ausdruck verleihen.
Wir wollen keine graue Stadt mit mürrischenGesichtern.
Hagen muß bunt, lebendig und phantasievoll sein.



